Kambodscha: Ein bemerkenswert weites Land

Wer sich für dieses Land öffnen kann, wird die einzigartigen Energie von Menschen und Natur wahrnehmen. Menschen verbinden Kambodscha oftmals mit Kriegsgeschehnissen, Völkermord und Menschenrechtsverletzungen etc.. Doch das heutige Kambodscha sieht in unserer Wahrnehmung ganz anders aus und kann der Welt in puncto Lebensfreude und Vergebung als Vorbild dienen.

Wir selbst wurden im Vorfeld von Freunden, Reisenden und Bloggern auf die vielen Grausamkeiten und Kriegsschauplätze vorbereitet. Auch wir haben in unseren Beiträgen über die Grausamkeiten des Pol Pot-Regimes  berichtet. Das alles ist in jüngster Vergangenheit geschehen und es wird vermutliche noch keinen Kambodschaner geben, der nicht irgendeinen Verwandten verloren hat oder mit Zeitzeugen zusammenlebt.

So waren wir darauf vorbereitet, dass wir ein traumatisiertes Volk mit wenig Bildung (die Gebildeten wurden ermordet) antreffen. Wir dachten, Kambodscha ist ein wenig wie Vietnam, nur dass die Auswirkungen der Kriege noch etwas deutlicher spürbar sein könnten. Doch unsere Erfahrung ist eine andere - zumindest in den Teilen Kambodschas, wo wir waren/sind:

Unsere Reise führte uns von Phnom Penh über Kampong Chhnang nach Battambang bis hin nach Siem Reap.

Phnom Penh

Bereits in Phnom Penh waren wir überrascht. Es herrschte ein fröhliches Treiben auf den Straßen. Die Einheimischen treffen sich abends in den Parkanlagen und essen dort gemeinsam - für viele Backpacker ein Highlight. Es war nichts zu spüren und zu sehen von lethargischen Menschen, denen eh alles egal ist – wie wir gelesen hatten.

Kampong Chhnang

In Kampong Chhnang wurde diese friedliche Art getoppt. Denn dieses Städtchen ist wirklich nicht groß und Besucher sind eher selten. Die Busse halten dort auch gar nicht und wir mussten eigens mit dem Taxi dorthin. Es hat sich jedoch sehr gelohnt, denn die Menschen waren die freundlichsten, die wir bisher auf unserer Reise angetroffen haben. Wir sind natürlich schon von Weitem aufgefallen (insbesondere Jörg durch seine Körpergröße). Die Kinder haben uns ebenso schon von weiter Entfernung begeistert „hello“ zugerufen, so dass wir manchen Rufer erst noch suchen mussten, um das „hello“ zu erwidern und zurückzuwinken. Eine gesamte Stadt so friedlich, höflich und offen zu erleben, war einfach unbeschreiblich.

Battambang

Auch in Battambang blieb dieses wohlige Gefühl, auch wenn man hier Touristen kennt und nicht mehr eifrig entgegen winkt. Umsorgt wird man in dieser Stadt dennoch, denn die Menschen sind bemüht, sich auf andere Kulturen einzustellen. So gibt es Cafès mit wirklich leckeren Kuchen (hatten wir ewig nicht gegessen). Wir fanden sogar ein Restaurant, in dem ich in den Genuss kam, das kambodschanische Nationalgericht zu kosten: Lok Lak mit Tofu! (statt mit Beef, Pork oder Chicken).

Die meiste Zeit waren wir allerdings in einem günstigen, einheimischen Restaurant, u.a. weil es sich dort oft wie Familie anfühlt. Die Eltern, Kinder, Oma und Opa, jeder hat eine Aufgabe und rund um das gemeinsam geführte Restaurant tobt das Familienleben. Nach dem zweiten Besuch sind auch wir nicht einfach nur Gäste, sondern Bekannte, denen von Herzen eine gute Weiterreise gewünscht wird.

Siem Reap

In Siem Reap sind wir nun seit einem Tag. Im Hotel werden wir beim Warten auf das Essen von der 8-jährigen Ninha (sie wird bestimmt anders geschrieben) unterhalten, indem sie uns von ihrer Schule, ihren Erfahrungen und ihren Reisen auf Englisch (!) berichtet. Leider verstehen wir nicht immer alles :-) 

Morgen werden wir die Sehenswürdigkeit Nummer eins, Angkor Wat, besichtigen und freuen uns sehr darauf.

Theater, Aufstellungen und Meditationen helfen den Menschen ihr Trauma zu überwinden

Wir stellen fest, dass die Menschen hier unheimlich offen und freundlich sind. Sie haben offenbar einen Weg gefunden, wie die jüngste Geschichte verdaut und aufgearbeitet werden kann. Zwei Beispiele habe ich im S21 berichtet bekommen. 

Der Audioguide im Museum S21-Foltergefängnis berichtete, wie das Volk mit den seelischen Verletzungen umgeht. U.a. wurde davon erzählt, dass es eine Theatergruppe gibt, bei dem die Schauspieler Betroffene sind. Sie übernehmen eine Rolle z.B. als Soldat oder Gefangener und können so das Geschehen und die Not und Angst des anderen nachempfinden und ihr eigenes Leiden verarbeiten. Statt in Rache-Gefühlen verhaftet zu bleiben, soll den Menschen geholfen werden, in Vergebung zu gehen.
Diese Vorgehensweise erinnert mich sehr an meine gelernte Praxis zur Lichtaufstellung und einen wesentlichen Teilaspekt dabei: die Vergebung. Ich durfte selbst erfahren, wie effektiv eine Lichtaufstellung sein kann und wie wesentlich Vergebung für den eigenen, inneren Frieden ist. Diese Theater-Inszenierung hört sich für mich nach einer Art Aufstellungsarbeit an und ich war wirklich begeistert, davon zu hören.

Ein zweiter Bericht des Audioguides war bzgl. einer Frau (ich glaube sie hieß Sophie), welche über Meditation ihr Seelenheil und ihren Frieden gefunden hat: „den Frieden, den wir alle in uns tragen“. Heute unterstützt sie Betroffene mit Meditationen, ihren Unfrieden aufzulösen.
Auch ich konnte hier vor Ort etwas auflösen, Seelenheil und Frieden durch eine Meditation erfahren. Einen Teil davon habe ich hier veröffentlicht: Ein Soldat bei den Killing Fields.

Leider habe ich im Moment nicht die Zeit bzw. den Fokus darauf, wie Kambodscha es geschafft hat, in so kurzer Zeit so viel Trauma und Unfrieden im Volk zu lösen. Für mich grenzt es an ein Wunder, gibt es doch zahlreiche Beispiele auf diesem Planeten, wie Völker und Nationen ihren Frieden nicht finden können.

Wie wäre unsere Welt, wenn die Staatsoberhäupter Kambodscha nacheiferten, indem sie Frieden und Vergebung als höchsten Wert setzten, an Stelle mit Strafen, Rache, Mauern Waffen den Krieg zu mehren.

Jeder einzelne von uns kann etwas bewegen, indem er seinen Frieden bewahrt und lebt. Je mehr Menschen dieses tun, desto mehr Frieden wird es auf der Welt geben.

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